alte Ansichtskarten / old postcards

Kosmopolit - Gut Fern Gruss

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Die hier vorgestellte Kosmopolit-Bildnisskarte No.1 wurde anlässlich des 25.jährigen Gründungsjubiläums des Weltverbandes der Philokartisten "Kosmopolit" im Jahre 1922 in Nürnberg herausgegeben.

Der Name dieses Weltverbandes entstammt dem Lateinischen und ist zusammengestellt aus zwei Worten und hat folgende Bedeutung: "kosmos" bedeutet "Welt" und "polites" bedeutet "Bürger" zusammengefasst also Menschen (Bürger) mit weltweiter Verbreitung !
Auch die Bezeichnung unser aller Hobby entstammt dem Lateinischen und heißt soviel wie Freund der Karten oder Kartenliebhaber.

Bereits im 18. Jahrhundert war es in wohlhabenderen Kreisen, vor allem in Paris und Wien üblich, sich kleine Freundschaftskärtchen oder Einladungen zu Feierlichkeiten persönlich oder via Bote zuzustellen.
Auch Stadtpostunternehmen, wie die "Petite Poste" in Paris, führte 1760 und die privat betriebene "Kleine Post" in Wien 1784 offen verschickte Postkarten ein. Daraus entwickelte sich im 19. Jahrhundert bereits ein größerer Markt. Wohl war die Herstellung dieser Karten noch keine Massenproduktion, denn diese Schmuckstücke waren Einzelanfertigungen, meist zu 10 oder 20 Stück, für welche zum Teil sehr hochwertiges und nur sehr aufwendig herzustellendes Porzellanpapier verwendet und handcoloriert wurde.

Im Jahre 1843 ließ der Begründer der Weltausstellungen, der Brite Sir Herny Cool, von dem Illustrator John Callcott Horsley, Weihnachtskarten herstellen und verschickte diese an Freunde und Bekannte. Im Jahre 1865, auf der 5. Postkonferenz in Karlsruhe stellte der spätere Generalpostmeister des Deutschen Reiches Heinrich von Stephan erstmals eine Art Postkarte, das sogenannte Postblatt vor. Auf Grund der damals vorherrschenden Prüderie konnte Stephan sein Projekt jedoch noch nicht umsetzen, trotzdem wurde am 1. Juni 1865 die offene Postkarte, die sogenannte Avis- oder Vertreterkarte eingeführt. Der Wiener Professor Dr. Emanuel Herrmann griff die Stephanische Idee auf und verschaffte sich damit Ruhm und Ehre, als er veranlasste, dass am 01. Oktober 1869 die erste offizielle Correspondenzpostkarte herausgegeben wurde.
Die Leidenschaft für dieses neue Objekt folgte aber nicht auf dem Fuße und entwickelte sich nur sehr langsam.

Durch die Verbesserung der Druckverfahren, insbesondere durch die Einführung der Chromolithographie und die zunehmende Vielfalt der Kartenmotive begann nach 1895 eine Sammelleidenschaft, welche vorerst nicht mehr zu stoppen war. Ausgehend vom Deutschen Reich, welches auch den Löwenanteil an der Produktion von Ansichtspostkarten hatte, eroberte diese Leidenschaft die ganze Welt.

Doch nun zurück zum benannten Ereignis. Im Mai 1894 wurde erstmals in Deutschland ein philokartistischer Verein, der Sammlerverein für illustrierte Postkarten in Hamburg gegründet. Am 15. Februar 1895 erschien die erste Fachzeitschrift für Philokartisten, mit dem Namen "Der Postkarten-Sammler". In Chemnitz folgte der "Sächsische Ansichts- Postkarten- Sammler- Verein Saxonia und gipfelte in der internationalen Konferenz der Ansichtspostkartensammler vom 22. bis 25. Juli 1897 in Nürnberg, bei welcher auf Initiative von Fritz Schardt der "WELTVERBAND KOSMOPOLIT" gegründet wurde.
Ihr erster Bundespräsident wurde Berthold Peschke, sein Stellvertreter wurde Johannes Späth, Bundesbevollmächtigter wurde Eduard Willner, Bundessekretär wurde Carl Wilhelm Moll und Ehrenvorsitzender der Begründer Fritz Schardt. Die Haupt- Centrale des Weltverbandes hatte ihr Domizil in der Färberstraße 29 in Nürnberg.
Zum Emblem des Weltverbandes wurde eine Weltkugel umschlungen von einem Banner mit der Aufschrift "Kosmopolit - Gut Fern Gruss". Dieser Slogan findet sich auf vielen Postkarten der folgenden Jahre wieder, denn die Kosmopoliten grüßten sich gegenseitig mit einem "Gutferngruß". So wurden weltweit wohl tausende von Karten versendet, unter anderen mit der Bitte "Erbitte Revanche-Karte" oder "Rückkarte erwünscht" und vielfach ist ein Stempel mit dem Emblem des Weltverbandes, dem Namen des Sammlers und seinem Heimatort zu finden. In der Hochphase der Sammelleidenschaft waren allein in Deutschland ca. 15.000 Sammler Mitglied im Weltverband.
Im Verlauf der nächsten Jahre wurde die Ansichtspostkarte immer populärer, was sich in zahlreichen großen Ausstellungen zeigte. Genannt seien hier "die erste große internationale Ausstellung illustrierter und von Künstlerhand gemalter Postkarten" unter der Schirmherrschaft von Prinzregent Luitpold von Bayern in München von 01. Juli bis 01. September 1898, die Illustrierte Postkarten Ausstellung im Gewerbemuseum Basel vom 23.Oktober bis 10. November 1898 und die Ausstellung des Postkartenklubs München vom 28. Juli bis 15. August 1900 in München.

Bedingt durch den 1. Weltkrieg und die nachfolgenden Krisen verfiel diese Leidenschaft bis ins bodenlose und erfreute sich erst ab den 70 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wieder großer Beliebtheit, so auch in unserer Familie seit über 40 Jahren.

Mit GutFernGruss
H. Näser

eingesandt von: H. Näser
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Stephanie Anders
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